Konferenz zur Förderinitiative: Internationalisierung der Berufsbildung

Die „Konferenz zur Förderinitiative: Internationalisierung der Berufsbildung (IBB)“ fand am 7. November 2018 in Berlin statt. Das Ziel der Konferenz war der Erfahrungs- und Wissensaustausch deutscher Bildungsdienstleister und im Ausland tätiger Unternehmen bezüglich der Fachkräftesicherung im Ausland und den potenziellen Synergien zwischen den unterschiedlichen Akteuren, zu denen auch Vertreter der wissenschaftlichen Berufsbildungsforschung gehörten. Zusätzlich wurde für die Zusammenarbeit von iMOVE und dem Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft e. V. ein Memorandum of Understanding unterzeichnet.

Veranstaltung
Konferenz zur Förderinitiative: Internationalisierung der Berufsbildung
7. November 2018, dbb forum berlin, Friedrichstraße 169, 10117 Berlin
Konferenz zur Internationalisierung der Berufsbildung
Eindrücke aus der Konferenz zur Internationalisierung der Berufsbildung im Berliner dbb forum – Networking und der ungezwungene Austausch von Ideen waren ausdrückliche Ziele der Konferenz

Für die hervorragende Organisation der Konferenz waren iMOVE und der DLR Projektträger verantwortlich, Holger Beckmann übernahm die Moderation. Die Einladung zur Konferenz erfolgte durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

iMOVE
iMOVE ist eine Initiative des BMBF uns zuständig für die Internationalisierung deutscher Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen. iMOVE soll Bildungsdienstleister auf dem Weg in Auslandsmärkte vorbereiten und begleiten.

Eröffnung: Trend zur Internationalisierung der Berufsbildung stark wie nie

Die Eröffnungsrede hielt Susanne Burger, zuständig für die Unterabteilung „Europäische und internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Sie betonte die drei Schwerpunkte in der Legislaturperiode: Digitalisierung, Transfer und Berufsbildung. Diese prominente Unterstützung für die Berufsbildung unterstreiche ihren Stellenwert und zeige, dass das Bedürfnis nach Internationalisierung auch in der Berufsbildung groß ist. Dementsprechend sollte die Berufsbildung innerhalb von Europa unter anderem durch das Nachfolgeprogramm von Erasmus gefördert werden.

Susanne Burger - Konferenz zur Internationalisierung der Berufsbildung
Susanne Burger betonte, dass die Berufsbildung einer der Schwerpunkte in der Legislaturperiode ist – Um die Förderrichtlinie auch in der Zukunft bedarfsgerecht zu gestalten, wird ein intensiver Austausch aller Akteure benötigt

Susanne Burger bekräftigte, dass das Ziel der Konferenz die Vernetzung und der gegenseitige Austausch ist, insbesondere sollen Lösungsansätze diskutiert werden, die es möglich machen, dass Partner aus der gewerblichen Wirtschaft in die akademische Welt der Berufsbildungsforschung mit eingebunden werden können. Die verstärkte Förderung der Berufsbildungsdienstleister soll evidenzbasiert sein, wobei auch die angekündigte Rückschau auf die Förderrichtlinie hilfreich sein soll, um so zu planen, dass sie in der Zukunft bedarfsgerecht(er) gestaltet wird.

Keynote: Unterstützung der internationalen Berufsbildungsanbieter durch öffentliche Stellen vereinfachen

Nach der Einführung durch Susanne Burger folgte die Keynote „Fachkräftegewinnung im Ausland: Zusammenspiel zwischen Bildungsanbietern und gewerblichen Unternehmen vor Ort“ durch Dr. Reinhold Festge, Unternehmer und ehemaliger Präsident des “Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau” (VDMA).

Reinhold Festge - Konferenz zur Internationalisierung der Berufsbildung
Die Keynote von Dr. Reinhold Festge erhielt viel Zuspruch, er fordert eine Vereinfachung und Verbesserung der Kooperation zwischen den öffentlichen Stellen und den privaten Berufsbildungsdienstleistern sowie Unternehmen

Dr. Reinhold Festge mahnte den Fachkräftemangel sowohl in Deutschland, aber auch im Ausland an, ein Thema das uns in den nächsten Jahren weiterhin erhalten bleibe. Dr. Festge betonte, dass viele deutsche Unternehmen, obwohl sie Familien-geführt sind, international sehr gut aufgestellt seien. Da die Berufsausbildung in Deutschland Sache der Unternehmen und nicht des Staates ist, sei die positive Repräsentation des sehr angesehenen deutschen Bildungssystems, und auch vor allem des dualen Berufsausbildungssystems, auch auf die Arbeit der deutschen Firmen zurückzuführen.

Die Berufsbildung im Ausland sei auch für Deutschland wichtig, denn die starke internationale Konkurrenz, wie aus China, kann nur abgewehrt werden, wenn die Kunden der deutschen Firmen auch deren Produkte angemessen bedienen könnten, wie beispielsweise die Maschinen der Firma von Dr. Festge, und dadurch eine entsprechende Kundenbindung stattfinden würde.

Weiterhin führte Dr. Festge aus, dass der Maschinenbau in Deutschland von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) geprägt sei und daher nicht über so große Ressourcen verfügen würde, wie beispielweise die großen Automobilfirmen wie BMW oder Mercedes. Eine vollkommen eigenständige Etablierung von Ausbildungsgängen im Ausland sei daher nur durch einen Zusammenschluss der Bildungsdienstleister möglich, ebenso sei eine engere Verzahnung von Bildungsdienstleistern und Unternehmen dringend nötig.

Daraufhin stellte Reinhold Festge erfolgreiche Projekte zur Ausbildung von Fachkräften in Botswana, Kenia und Nigeria vor, bei denen mehr 1000 Auszubildende pro Jahr Programme zur Berufsbildung durchlaufen. Im Rahmen dieser Präsentation wies er eindrückliche auf die Herausforderungen und Chancen vor Ort hin und thematisierte einerseits die gute und unerlässliche Unterstützung der öffentlichen Hand, aber auch die Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit. So sei die Komplexität der öffentlichen Stellen für Unternehmen verwirrend und führe in der Folge häufig zu Unklarheiten bezüglich der öffentlichen Stellen, die für die Finanzierung der Projekte zuständig sei. Dr. Festge plädierte eindringlich dafür, die bestehenden Prozesse zu straffen und auch die Antragstellung für die Projektförderung zu vereinfachen.

Zusätzlich führte er aus, dass es mitunter Konflikte bei den zuständigen Stellen gebe, die von außen nicht zu durchschauen seien. So sei auch die offizielle Beschreibung der GIZ, die er einerseits lobt, andererseits kritisiert, anders als ihr Tun in der Wirklichkeit. Sie leiste prinzipiell eine gute Arbeit, stehe aber mittlerweile häufig in Konkurrenz zu den privaten Firmen und verdränge sie als eigener Bildungsanbieter, obwohl die privaten Bildungsunternehmen, gerade durch ihre Flexibilität und persönliche Arbeitsweise, für den Mittelstand besonders wichtige Partner sind.

Dr. Festge schloss seine Keynote mit einem Aufruf zur Bündelung der Kompetenzen ab. Er schlug dafür eine neutrale Clearing-Stelle vor, bei der öffentliche und private Stellen beteiligt sind. Die Vernetzung der öffentlichen Hand mit den Unternehmen müsse besser werden. Die Wirtschaft bräuchte neue Märkte, um die exzellente Position im Export-Geschäft halten zu können. Er sei aber froh, dass sich die öffentlichen Stellen der Wichtigkeit der beruflichen Bildung bewusst sind.

Keynote: Lösungsansätze durch Pilotprojekte deutscher Bildungsanbieter

Eine weitere Keynote wurde von Katja Kaiser, TÜV Rheinland Akademie GmbH, präsentiert. Sie stelle die Einrichtung eines Bildungszentrums als Pilotprojekt in Kasachstan vor: „German-Kazakh Vocational Education Center (GEKAVOC)“.

Katja Kaiser - Konferenz zur Internationalisierung der Berufsbildung
Katja Kaiser stellte in ihrer Keynote Lösungsansätze durch Pilotprojekte deutscher Bildungsanbieter anhand des “German-Kazakh Vocational Education Center (GEKAVOC)” vor

Das Ziel des Projekts ist der Transfer von dualen Berufsbildungsprogrammen in den Bereichen Logistik, Mechatronik und nachhaltiger Energietechnologien nach Kasachstan. Ihre Empfehlung für die Durchführung internationaler Berufsbildungsprojekte lautet, sich unbedingt lokale Partner zu suchen und vor allem auch genug Zeit und Ressourcen dafür einzuplanen.

Bericht: Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte der Wissenschaftlichen Begleitforschung zur BMBF-Förderinitiative „Internationalisierung der Berufsbildung“

Dr. Susanne Peters von der Universität Bremen und Léna Krichewsky-Wegener vom Institut für Innovation und Technik (IIT) präsentierten die Perspektive der wissenschaftlichen Begleitung von internationalen Berufsbildungsprojekten. Bei der Benennung ausgewählter Ergebnisse aus der Evaluation, stellte sich beispielsweise heraus, dass die Beziehungen vor Ort ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Durchführung der Projekte sei, diese aber bei einem Großteil der Firmen nicht immer vorhanden seien. Aus wissenschaftlicher Perspektive wurden unter anderen folgende Fragestellungen untersucht:

  • Welche Innovationen und Veränderungsansätze führen unter welchen Bedingungen zu nachhaltigen Reformaktivitäten und Entwicklungen in der Berufsbildung in den Projektländern?
  • Unter welchen Kontextbedingungen und Kooperationskonstellationen zwischen staatlichen und privaten Akteuren erreichen Projekte der Berufsbildungszusammenarbeit ihre Zielsetzungen?
  • Welche Innovationen, Bedingungen und Faktoren ermöglichen eine nachhaltige Stärkung der Internationalisierung der deutschen Berufsbildungsbranche?

Memorandum

Memorandum Deutscher Wirtschaftsverein Afrika mit iMOVE und BIBB
Claudia Voß und Birgit Thomann bei der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zwischen dem Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft e.V. und dem Bundesinstitut für Berufsbildung und iMOVE

Paneldiskussion

In der darauffolgenden Paneldiskussion wurden die Kernpunkte der Vorredner näher beleuchtet. Die Diskutanten Susanne Burger (BMBF), Boris Petschulat (BMWi), Dr. Reinhold Festge (VDMA), Judith Helfmann-Hundack (Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft e.V.) und Dr. Hans-Joachim Prinz (LD DIDACTIC GmbH) kreisten unter der Leitung von Moderator Holger Beckmann um die folgenden Themen.

Susanne Burger, Boris Petschulat, Reinhold Festge, Judith Helfmann-Hundack, Hans-Joachim Prinz
Die sehr interessante Podiumsdiskussion zwischen Susanne Burger, Boris Petschulat, Dr. Reinhold Festge, Judith Helfmann-Hundack und Dr. Hans-Joachim Prinz zeigte wie unterschiedlich die Perspektiven und Lösungsansätze in der Internationalisierung der Berufsbildung aussehen
  • Koordination zwischen öffentlichen Stellen und Privatwirtschaft
  • Schwierigkeiten bei der Realisierung einer neutralen Stelle zur Vermittlung
  • Geringe Repräsentanz der Bildungswirtschaft auf Delegationsreisen
  • Möglichkeiten des Exports der dualen Ausbildung, wenn in Zielländern kaum Unternehmen ausbilden, sondern in erster Linie nur Schulen
  • Verbindung von Migration und Internationalisierung der Berufsbildung (Frage aus dem Publikum)
  • Image der Berufsausbildung in den Zielländern im Gegensatz zur Hochschule
  • Möglichkeiten das Image der Berufsausbildung zu verbessern
  • Risikobereitschaft bei der Förderung durch öffentliche Stellen
  • Zuständigkeiten und Angebote der öffentlichen Stellen im Vergleich mit anderen Länder wie z.B. Großbritannien oder Australien

Workshops

Nach der Paneldiskussion mussten sich die Kongressbesucher für einen von vier gleichzeitig stattfindenden Workshops entscheiden. Die thematisch gegliederten Workshops beinhalteten Impuls-Referate und Projekten- Vorstellungen, die Ergebnisse wurden im Anschluss jeweils von einem Teilnehmer im großen Saal für alle zusammengefasst.

WS 1 Hidden Champions – Chancen der Fachkräftegewinnung auf den Weltmärkten

  • Andrea Bodner und Anton Schied, Webasto – “Berufsbildung international – Wunsch und Wirklichkeit”
  • Knut Wuhler, Regionales Bildungszentrum Eckert gemeinnützige GmbH – “Bildung international – Eine Marktbetrachtung”
  • Steffen Bayer, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) – “Weltweites Angebot des DIHK-IHK-AHK-Netzes rund um Duale Berufsbildung”
  • Moderation: Birgit Thomann, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

WS 2 Berufsbildung 4.0 weltweit – Innovative Lernformen/ Digitalisierung im Berufsbildungsexport

  • Mirko Wesling, Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) – “Qué será, será, Digitalisierung? – Handwerk 4.0 und Fachkräfteausbildung”
  • Thomas Giesler, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
  • Torben Padur, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
  • Markus Milwa, Dr.-Ing. Paul Christiani GmbH & Co. KG – “Indisch-Deutsches Berufsbildungsprojekt Industrie 4.0”
  • Brigitte Hanemann, TÜV SÜD Akademie GmbH
  • Silke Steinberg und Dr. Rüdiger Klatt, Forschungsinstitut für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention (FIAP) – “Verbundprojekt Graeducation – Thesen zum Nutzen von VR Anwendungen in der deutsch-griechischen Berufsbildungszusammenarbeit”
  • Roman Senderek, FIR e. V. an der RWTH Aachen – “E-Mas: Berufsbildung 4.0 weltweit – Innovative Lernformen / Digitalisierung im Berufsbildungsexport”
  • Sebastian Euchenhofer, Deutsch-Italienische Handelskammer (AHK) – “Quo vadis, Industrie 4.0? – wie sich der digitale Strukturwandel in der Fachkräfterealität von Unternehmen in Italien abbildet”
  • Moderation: Hannes Barske, DLR Projektträger

WS 3 Bildungswirtschaft: Kompetenzträger der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit

  • Dr. Dagmar Pietz, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – “Die iBBZ des BMBF und die Rolle der Bildungsanbieter”
  • Carina Adam, Überbetriebliches Bildungszentrum in Ostbayern gemeinnützige GmbH (ÜBZO) – “Bildungswirtschaft: Kompetenzträger der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit – Praxisbeispiel TRAINME”
  • Martin Roggenkamp, Berufsfortbildungswerk (bfw) – “Internationaler Kompetenztransfer im Strategieprojekt Unions4VET”
  • Daniel Neff, GOVET – “Qualifizierung von Clustermanagern / ISDOs in Indien”
  • Sebastian Schneider, Universität zu Köln – “Die Auftragsausschreibung – Wissenschaftliche Analyse eines neuen Kooperationsformats in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit im Auftrag von iMOVE und BIBB”
  • Silvia Niediek, iMOVE – “Die Auftragsausschreibung – Ein neues Kooperationsformat in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit”
  • Moderation: Dr. Ralf Hermann, GOVET

WS 4 Forschungsperspektiven auf neue Handlungsfelder im Zusammenspiel zwischen gewerblichen Partnern und Bildungsanbietern

  • Nizar Abdelkafi, Fraunhofer IMW – “Berufsbildungsexport: Zentrale Bausteine der Geschäftsmodellentwicklung”
  • Dr. Thomas Schröder, Technische Universität Dortmund
  • Susanne Kretschmer, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gemeinnützige GmbH
  • Isabelle Le Mouillour, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
  • Moderation: Prof. Dr. Dietmar Frommberger, Universität Osnabrück

Abschluss: Muss die Kooperation der bestehenden staatlichen Stellen und der privaten Bildungsdienstleister verbessert werden?

Im Anschluss an die Workshops wurde die aktuelle Form der Kooperation von staatlichen Stellen und privaten Bildungsdienstleister noch einmal offen und konstruktiv diskutiert. Die Abschlussnote hielt Dr. Henk van Liempt (BMBF), der den Besuchern des sehr gelungenen Kongresses u.a. die folgenden Punkte mit auf den Weg gab.

Es gibt viele staatliche Anfragen bezüglich des dualen Systems, die Umsetzung in tatsächliche Projekte muss in Kooperation und mit der Hilfe privater Berufsbildungsdienstleister stattfinden.

Es wird in den öffentlichen Stellen über die Neugestaltung der Modell- und Förderphasen nachgedacht, da die aktuelle Laufzeit von maximal drei Jahren laut verschiedener Stimmen nicht ausreichend ist.

Es wird bereits jetzt und weiterhin in der Zukunft am Ausbau der Vernetzung zwischen den verschiedenen Ministerien und anderen öffentlichen Stellen gearbeitet, es sollte aber bedacht werden, dass Deutschland ein föderaler Staat ist und dass pluralistische Einrichtungen und Prozesse der Normalfall sind.

Weitere Berichte und Pressemitteilungen zur Konferenz